Von August 2006 bis März 2007 lebte ich bei einer peruanischen Gastfamilie und arbeitete freiwillig in einem Behindertenheim in Piura, im Norden Perus. Durch ein AFS-Vorbereitungscamp in Deutschland und durch das Lesen einiger Bücher über mein Gastland vor meinem großen Abenteuer war ich gut auf meinen Auslandsaufenthalt vorbereitet, was mir den Start in Peru erleichterte. Schon einige Wochen vor meinem Abflug besaß ich die Unterlagen über meine Gastfamilie, sodass ich mit ihnen e-mail Kontakt aufgenommen konnte. Auch wusste ich vorher, dass ich in einem Behindertenheim arbeiten werde.
Angekommen in Peru, wurden ich und insgesamt ca. 30 weitere CSP-Teilnehmer aus aller Welt von einigen AFS-Mitarbeitern abgeholt und zu einem Hotel (in Lima) gebracht. Dort fand am nächsten Tag ein weiteres Vorbereitungscamp statt, bevor ich abends mit 5 Teilnehmern mit einem Reisebus nach Piura fuhr. Meine Gastfamilie holte mich an der Busstation ab. Sie bestand aus meiner Gastmutter (geschieden), meiner Gastschwester (23 Jahre), ihrem Sohn (3 Jahre), meinen 2 Gastbrüdern (21, 22 Jahre), einem Bruder meiner Gastmutter, der auch bei uns wohnte, und einem Hausmädchen. Meine Gastfamilie war einfach toll! Sie haben einen sehr großen Wert darauf gelegt, dass ich viel über Peru lerne. Die Sprache, die Kultur, die Küche (auf die die Peruaner wirklich sehr stolz sind und man eine Totsünde begeht, wenn man sagt, dass einem das peruanische Essen nicht schmeckt!) und über das Land selber. Meine Gastfamilie lehrte mich viel über ihre Kultur und das peruanische Leben.
In den ersten 2 Wochen nahm ich mit den 5 anderen AFSern an einem Sprachkurs teil. Er war langweilig, aber wenn man mitgearbeitet hat und seine Hausarbeiten gemacht hat, konnte man wirklich viel lernen. Und dann ging es endlich mit meiner Projektarbeit los! Ich war richtig aufgeregt, als ich mit einer Mitarbeiterin des AFS in Piura zum Behindertenheim fuhr. Der Direktorin war es völlig neu, dass in ihrem Heim auf einmal eine Deutsche für 5 Monate arbeiten sollte, sie war aber sehr nett und unkompliziert.
Erst einmal brauchte ich einige Wochen, um mich an all die Kinder in dem Heim zu gewöhnen. Es lebten ca. 40 Kinder dort, wo von 20 schwerstbehindert waren, sowie geistig als auch körperlich. Dann wohnten dort noch 20 gesunde Kinder im Alter von 12-21 Jahren, die z.T. Straßenkinder gewesen waren, oder die in sehr schlechten Elternhäusern aufgewachsen waren (Vergewaltigung, Gewalt...).
Niemand der Pflegerinnen oder der anderen Mitarbeiter im Heim sagte mir je, was ich tun sollte, auch nicht, wenn ich meine Hilfe anbot. So kam es, das ich am Anfang oft nur rumstand und alles beobachtete. Irgendwann war ich dann gezwungen, mir selber Arbeit zu suchen und allmählich stellte ich immer mehr fest, dass sie wirklich Hilfe in dem Heim nötig hatten. Zu Beginn hatte ich oft in der Küche beim Kochen geholfen oder ich habe zusammen mit den Pflegerinnen die Behinderten gefüttert. Später, als es mit meinem Spanisch besser wurde, habe ich einigen Kindern Märchen vorgelesen und mit ihnen gemalt. Den älteren Kindern habe ich immer bei ihren Hausaufgaben geholfen- besonders bei ihren Englischhausarbeiten. Das war oft eine mühsame Arbeit, da mir die Jugendlichen nicht zuhören wollten und es nie gelernt haben, sich zu konzentrieren. Zum Ende hin jedoch wurde es immer besser und als ich mich verabschiedete, wurde ich von Vielen gefragt: „Und wer hilft mir jetzt bei den Englischhausaufgaben?“
Über den Umgang mit den Behinderten und auch mit den gesunden Kindern und Jugendlichen im Heim habe ich sehr viel gelernt und meinen Horizont erweitert. Die Arbeit dort hat mir sehr gut getan, auch wenn es manchmal wirklich anstrengend war. Ich war montags bis freitags von 9 h bis 16:30 h dort. Nachmittags und an den Wochenenden war ich auch immer sehr beschäftigt. Zum Beispiel habe ich an einem 3 Mal in der Woche an einem Salsatanzkurs teilgenommen und bin oft zur Musikschule gegangen, wo ich mit einer peruanischen Freundin typisch peruanische 4-händige Klavierstücke einstudiert habe!
Dann habe ich auch sehr viel Zeit mit den anderen AFSern in Piura und mit meiner Gastfamilie verbracht. In meiner Gastfamilie war es üblich, dass sich abends alle vor den Fernseher gesetzt haben, um fern zu gucken. Auch, wenn ich dazu manchmal überhaupt keine Lust zu hatte, da ich ja nichts verstand, nahm ich an dieser Familienaktivität teil, um mich in die Familie zu integrieren. Oft saß ich auch einfach nur da mit meiner Gastmutter und habe ihr beim Reden zugehört, da ich selber noch nicht viel sagen konnte. Aber es war wichtig für meine Integration in die Familie und später konnten wir uns dann auch schon richtig unterhalten!
Freitags- und Samstagsabends habe ich eigentlich immer etwas mit meinen Gastgeschwistern und ihren Freunden unternommen, oder mit den AFSern. Ich war froh, dass ich mit anderen AFSern in Piura war, da wir uns oft über unsere Erfahrungen austauschen und uns gegenseitg helfen konnten, wenn es einem mal nicht so gut ging. Vom AFS Piura aus hatte ich eine persönliche Betreuerin, die ich bei Problemen ansprechen konnte. Da ich aber kaum Probleme hatte, brauchte ich sie nicht.
Meine Arbeit im Projekt hörte Mitte Januar auf. Am 5. Februar hörte das AFS-Programm auf und dann wäre ich normalerweise auch nach Deutschland geflogen. Da es mir bei meiner Gastfamilie jedoch so gut ging und ich noch unbedingt durch Peru reisen wollte, flog ich erst Ende März zurück. Und die letzten 2 Monate reiste ich mit 2 Freundinnen durch dieses wunderschöne Land. Peru hat wirklich sehr viel zu bieten und am Besten ist es, wenn man Spanisch kann! In Peru lebten neben der Inka-Kultur noch viele andere Kulturen, deren Ruinen und Schätze man überall in dem Land sehen kann. Außerdem ist die Natur atemberaubend, da sie sehr vielseitig ist. Denn nicht viele Länder besitzen diese 3 Regionen: Küste, Anden, Regenwald. Erst nachdem ich alle 3 Regionen bereist hatte und festgestellt hatte, dass jede Region auf ihre Art besonders ist, wusste ich diesen Reichtum Perus richtig zu schätzen. |
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Ich suche schon seit langem die Adresse eines Behindertenheim im Piura - ich denke, es ist genau das, welches Du beschreibst.
Ich war mal einen Tag dort, habe den halben Tag im Heim verbracht und den Nachmittag draussen, wo sie noch Landwirtschaft betreiben und Tiere halten. Gell, das ist das Heim?
Es wurde von einer englischen Nonne/Schwester gegründet, die aber schon verstorben ist.
Es hat behinderte Kinder, aber auch Strassenkinder, die dort versorgt werden, genau wie Du beschreibst. Kannst Du mir bitte die Adresse/Kontaktdaten schicken? Vielen herzlichen Dank! Christa