THAILAND: Geduld und Gelassenheit - zwei Dinge, die ich gelernt habe (FSJ) |
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Verglichen mit den anderen FSJlern habe ich jetzt einen anderen Blick auf mein FSJ, da ich schon etwas über zwei Wochen zu Hause bin. Im Rückblick war meine Zeit in Thailand einfach genial. Ich war teilweise so glücklich, dass ich einfach nur Luftsprünge hätte machen können, und teilweise so traurig, dass ich am liebsten wieder nach Hause geflogen wäre. Abwechslung pur! Auf jeden Fall habe ich das „Land des Lächelns“ tief in mein Herz geschlossen. Anfangs hatte ich erhebliche Probleme, mich mit Bangkok abzufinden. Die Stadt kam mir immer wie ein riesiges, verschmutztes, überfülltes und stinkendes Etwas vor, in dem es keine Form von Ordnung gibt. Da mich viele meiner anfänglichen Gefühle, die man so hat, wenn man neu in einem Land ist, an meine Anfangszeit in Hongkong erinnert haben, habe ich beide Städte auch oft verglichen. Es hat etwas gedauert, bis mir klar war, Hongkong ist Hongkong und Bangkok ist Bangkok – man kann sie nicht miteinander vergleichen. Und ich bin mittlerweile auch in der studiVZ-Gruppe „Bangkok: dreckig, überfüllt, stinkig, laut... aber GEIL!!“ Wenn man nur lang genug da bleibt, lernt man die Stadt lieben. Aber nicht nur die Umgebung war neu und ungewohnt, sondern auch die Menschen in Thailand. Asiatische Kulturen sind sehr viel indirekter und zurückhaltender als unsere deutsche Kultur. Da ich als Austauschschüler schon für ein Jahr in Hongkong war, dachte ich, dass das Anpassen nicht zu schwer würde. Als ich dann allerdings während meines Gastfamilienwechsels erhebliche Probleme hatte, habe ich festgestellt, dass die thailändische Kultur doch noch etwas „asiatischer“ als die multi-kulturelle hongkong-chinesische Kultur ist. Ältere Menschen werden aufgrund der größeren Lebenserfahrungen von Jüngeren stark respektiert und ihr Rat wird befolgt. Es war sehr verwirrend, zu sehen wie Jüngere sich beim Gespräch mit Älteren auf den Boden hocken, wenn diese sitzen, oder sich ducken, wenn sie an Älteren vorbei gehen. Nach nicht einmal einem Monat habe ich solche Dinge aber auch schon automatisch in meinem Verhalten mit aufgenommen. Wenn in Thailand etwas geplant ist, wird die Planung oft in letzter Minute gemacht und man sollte spontan sein. Daher sind Flexibilität, Geduld und Gelassenheit drei Dinge, die ich sehr gut gelernt habe. In Deutschland tendiere ich dazu, alles selber planen zu wollen und liebe es, Dinge zu organisieren. Meine Zeit in Thailand hat mich in dieser Sicht ruhiger gemacht. Kommunikation kann in Thailand sehr schwer werden – vor allem wenn es um Probleme und Konflikte geht. Als ich meine Gastfamilie wechseln wollte, war es oft sehr schwer, mit den entsprechenden Personen über meine Probleme zu reden. Ich musste versuchen, mich so auszudrücken, dass ich nicht als ungeduldiger Nörgler, dem man nichts recht machen kann, rüberkomme. Da die AFS-Kollegen und Lehrer in der Schule alle älter waren, musste ich ihnen gegenüber auch den nötigen Respekt zeigen. Es war sehr schwer, keine Fehler in dieser Zeit zu machen – aber gerade dadurch habe ich sehr viele wichtige Dinge über die thailändische Kultur gelernt. In unserem Urlaub haben wir beiden FSJler uns die Nachbarländer von Thailand angesehen. Durch Englisch-Camps und AFS-Camps hatten wir schon die Möglichkeit verschiedene Orte in Thailand zu besuchen, auch wenn dort dann natürlich in erster Linie gearbeitet haben. Unser erster Urlaub war eine 5-Tages-Tour nach Laos. Wir haben uns in dieser Zeit Vang Vieng, eine Stadt umgeben von Sandsteinbergen mit Höhlen, und Vientiane, die Hauptstadt, angesehen. Nach Songkran, dem thailändischen Neujahrsfest, sind wir mit den beiden FSJlern aus Malaysia nach Kambodscha und Vietnam gefahren. Dort haben wir uns Siem Reap (Ruinen von Angkor), Phnom Penh (Hauptstadt Kambodschas), das Mekong-Delta und Ho Chi Minh City angesehen. Diese Reise war mit einer der Höhepunkte meiner Zeit als FSJler. Außerdem war ich mit einigen Kollegen von AFS übers Wochenende auf Ko Chang, einer von türkisem Wasser umgebenen mit Dschungel bedeckten Insel, in der Nähe von Kambodscha. Die ersten sechs Monate in Thailand habe ich in einer lokalen Schule und bei AFS Thailand gearbeitet. Vier Tage pro Woche habe ich in der Schule Deutsch und Englisch unterrichtet. An einem Tag habe ich dann im nationalen Büro von AFS Thailand gearbeitet. Nach den sechs Monaten habe ich dann nur noch bei AFS gearbeitet. In der Schule hat es anfangs sehr lange gedauert, bis ich einen festen Stundenplan bekommen habe. In dieser Übergangsphase bin ich mit den anderen Lehrern in den Unterricht gegangen und habe ihnen geholfen. In Thailand ist der Englischunterricht in verschiedene Bereiche unterteilt. Meine Aufgabe waren dann immer die „Speaking and Listening“ Stunden. Manche Lehrer haben mir sehr viel Freiheit gelassen und ich konnte mir selber aussuchen, was ich mit den Schülern machen möchte und die entsprechenden Dinge vorbereiten. Bei anderen Lehrern lief es meistens darauf hinaus, dass ich ihnen einen Text vorgelesen habe und die Schüler ihn nachgesprochen haben. Bei AFS habe ich während des Jahres ganz unterschiedliche Aufgaben übernommen. Das ging vom einfachen Kopieren und Faxen bis hin zu Diskussionsrunden auf AFS-Camps zu führen. Mir kam es manchmal so vor, dass es an der Lust der anderen Kollegen hing, wie viel Verantwortung wir bekommen. Aber generell bekommt man in Thailand nur sehr schwer Verantwortung übertragen, da man halt überall immer der Jüngste ist. In der Schule waren die Arbeitszeiten von 7:30 bis 16:00. In dieser Zeit musste ich zwar in der Schule sein, was aber nicht hieß, dass ich die ganze Zeit unterrichtet habe. Im Durchschnitt habe ich 10 bis 12 Stunden pro Woche unterrichtet. Teilweise saß ich sehr lange im Lehrerzimmer und in der Bibliothek und musste mich irgendwie selber beschäftigen. Bei AFS waren die Arbeitszeiten von 9:00 bis 17:00, auch wenn aus den 17:00 Uhr oft 18:00 Uhr wurden. Da bei AFS die Camps so gut wie immer am Wochenende oder über Feiertage waren, mussten wir auch oft an diesen Tagen arbeiten. Einen Ausgleich gab es für uns dafür nicht. Während meiner Arbeit in der Schule habe ich mich oft nicht ausgelastet gefühlt. Manchmal habe ich bei den Lehrern auch angemerkt, dass ich gerne mehr tun würde, aber die sind selten darauf eingegangen. Ich habe dann versucht, die Zeit mit Thai lernen zu überbrücken. Bei AFS war es recht unterschiedlich. An manchen Tagen gab es absolut gar nichts für uns FSJler zu tun, an anderen war es Stress und Chaos pur im Büro. Eigentlich war es sehr ausgeglichen. Für meine AFS Arbeit war meine vorherige AFS Erfahrung von großer Bedeutung. Durch meine Erfahrungen als Austauschschüler in Hongkong und als Ehrenamtlicher für AFS Deutschland (unter anderem auch Ansprechpartner für eine chinesische und eine thailändische Austauschschülerin) konnte ich den Austauschschülern in Thailand viele Tipps und Hilfestellungen für ihren Anpassungsprozess geben. Daher war es auch unsere Aufgabe die Schüler einmal im Monat anzurufen oder mit ihnen auf den Camps zu reden. Das Einleben in die erste Gastfamilie ist mir nicht zu schwer gefallen. Da meine Gastmutter schon fünf Jahre in der Schweiz gelebt hatte und meine Gastfamilie gegenüber der westlichen Kultur generell sehr offen war, sind sie mir in vielen Dingen sehr entgegen gekommen. Das habe ich im Gespräch mit den Austauschschülern, die ich betreut habe, festgestellt. Außerdem hat mir meine Gastmutter viele Dinge auf Deutsch erklären können. Als ich dann aber festgestellt habe, dass es meiner Gastfamilie lieber war, wenn ich mit ihnen Deutsch rede und sie nicht verstehen wollten, dass ich auch an der thailändischen Sprache und Kultur interessiert bin, war ich doch sehr enttäuscht darüber. Die Kollegen bei AFS haben mir dann nahe gelegt, die Familie zu wechseln. In meiner zweiten Gastfamilie habe ich mich dann auch schnell eingelebt, da ich ja schon einiges über die thailändische Kultur in den ersten sieben Monaten gelernt hatte. Der Abschied aus Thailand ist mir sehr schwer gefallen. Gerade die letzten beiden Wochen waren sehr hart. Meine letzten Tage in Thailand waren auf dem Arrival Orientation Camp und es war sehr schade, die neuen Austauschschüler zu sehen und zu denken, dass die noch die ganze tolle Zeit vor sich haben werden. Den letzten Tag war ich dann recht depressiv, aber als ich dann am Flughafen war, hatte ich doch Lust auf Deutschland. Mein Eindruck von Familie in Thailand ist, dass es einen sehr viel größeren Familienzusammenhalt als in Deutschland gibt. Auch erwachsene Menschen legen immer noch großen Wert auf den Rat und die Meinung ihrer Eltern. Thailändische Jugendliche verbringen auch sehr viel Zeit zu Hause, vor allem vor dem PC oder Fernseher. Dadurch hatte ich den Eindruck, dass es oft schwer war, Kontakt zu meinen Gastgeschwistern aufzubauen. Dieser Eindruck hat sich während des Jahres auch nicht verändert. Bei AFS hatten wir keinen speziellen Ansprechpartner. Wenn wir Probleme hatten haben wir uns an unsere Kollegen gewendet. Dabei kam es dann aber darauf an, die Hierarchie zu beachten, und anfangs war es etwas schwer zu wissen, mit welchem Problem man sich an wen wendet. In der Schule hatten wir außerdem eine Lehrerin zugeordnet, an die wir uns bei Problemen wenden konnten. Spezielle Seminare hatten wir nicht. An unserem ersten Tag bei AFS haben wir eine kurze Einführung bekommen und das war es. Der größte Konflikt während meiner Zeit in Thailand war der Gastfamilienwechsel. Ich habe versucht mit allen drei anderen Parteien (AFS, Gastfamilie und Betreuungslehrerin) zu reden. Sowohl AFS als auch die Lehrerin haben mir geraten erst mal nicht mit meiner Familie zu reden. Später hat sich herausgestellt, dass dieser Rat nicht sehr gut war. Ich habe mich während der ganzen Zeit ziemlich auf mich allein gestellt gefühlt und war froh, dass ich nach drei Monaten endlich die Familie wechseln konnte. Jede Woche wurde etwas anderes gesagt und ich wusste nie, wo ich dran war. Von daher fand ich die Betreuung von AFS Thailand sehr „verbesserungswürdig“. Bei meiner Ankunft waren meine Sprachkenntnisse nicht ausreichend, allerdings habe ich versucht, Thai zu lernen. Meine Sprachkenntnisse hätten am Ende des Jahres um einiges besser sein können, aber ich bin trotzdem relativ zufrieden. Da ich keinen Sprachkurs besucht habe, war ich auf die Hilfe von Gastfamilie, Lehrern und Kollegen angewiesen – was definitiv nicht gut war. Zukünftigen FSJlern möchte ich mit auf den Weg geben, dass sie für alles offen sein sollen und viel Geduld haben sollten. In Thailand dauert es normalerweise, bis etwas passiert. Die thailändische Kultur ist sehr kompliziert und es dauert, bis man sie versteht. Man sollte sich da anfangs nicht zu viele Sorgen machen. Da Thais sehr freundliche Menschen sind, werden sie normalerweise immer versuchen, einem zu helfen. AFS Thailand sollte die Betreuung der FSJler auf jeden Fall ausbauen. Obwohl ich in Thailand teilweise sehr schlechte Erfahrungen hatte, fand ich mein Jahr in Thailand klasse! Vor allem die Kollegen bei AFS werde ich sehr vermissen!!!
Kommentare (5)
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dein Bericht klingt sehr spannend, ich werde im Juli 2011 selbst ein Jahr nach Thailand gehen und habe noch einige Fragen an dich!
Wenn du etwas zeit hast würde ich mich auf eine Nachricht von dir freuen.
Liebe Grüße
Sophia