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Schnee, Dorfleben und das Fußball-Lied

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Fast ein Jahr lang war der brasilianische Austauschschüler Artur Martins bei seiner Gastfamilie Alli und Carmen Weins in Gutweiler zu Hause. In Deutschland hat der 18-Jährige zum ersten Mal Schnee gesehen, das Dorfleben kennen gelernt und Karate gegen Fußball eingetauscht. Am heutigen Samstag tritt er seine Heimreise an.

"Weihnachten war schön kalt" und "Schnee ist cool", sagt Artur Martins mit einem Lachen. Mit 17 Jahren hat der Brasilianer zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Schlitten gesessen und einen Schneemann gebaut. "Wir haben viel im Schnee gespielt", erinnert er sich begeistert. Noch vor knapp einem Jahr sprach und verstand der junge Mann kein einziges Wort Deutsch. Dennoch hat er in Gutweiler schnell Freunde gefunden.

Anfang letzten Jahres über die Organisation AFS bei seinen Gasteltern Alli und Carmen Weins angekommen, lernte er von Beginn an das deutsche Dorfleben kennen und lieben. "Das Leben hier im Dorf ist sehr schön", sagt Artur. Gastvater Alli Weins: "Artur ist ganz angetan vom Dorfleben. Er geht abends oft noch für eine Stunde oder so zu den Nachbarn, wo er mit Mattes einen richtig guten Freund gefunden hat." Weiter erklärt er, dass es das so in Brasilien nicht gibt. Der junge Mann lebe dort mit seiner Familie in einer mehr oder weniger abgeschlossenen Wohnanlage. Der Kontakt zu den anderen Jugendlichen beschränke sich daher normalerweise auf die Schulzeit.

Während seines Deutschland-Aufenthalts besuchte Artur das Trierer Max-Planck-Gymnasium, wo er ebenso schnell neue Freunde gefunden hatte wie im Gutweilerer Fußballverein. Obwohl sich der junge Brasilianer bislang besser mit Karate als mit Fußball auskannte, ist er mittlerweile total fußballbegeistert. "54, 74, 90, 2010 - ja so stimmen wir alle ein..." Die "Sportfreunde Stiller"-CD war nach eigenen Angaben sein schönstes Geschenk zum 18. Geburtstag. Den hat er in der Silvesternacht mit seinen deutschen Freunden in Gutweiler gefeiert. "Er wird uns als Spieler und als Freund fehlen", bedauert A-Jugendtrainer Jürgen Flesch (SV Gutweiler/JSG Ruwertal). "Wenn Artur jetzt abreist, wird es wieder sehr ruhig hier sein", sagt Gastmutter Carmen Weins. "Das ist jetzt schon ein komisches Gefühl."

Artur Martins will sowohl seine Deutsch- als auch seine Fußball-Kenntnisse in Brasilien weiter ausbauen und spätestens 2013 wieder zu Besuch nach Gutweiler kommen. "Hier ist es sehr schön, ich werde das Dorfleben und alle sehr vermissen", sagt der junge Mann. Lächelnd schließt er: "Ich könnte auch ganz hier leben, aber mir fehlen die Sonne, das Meer und das Portugiesisch."

Extra AFS ist mit mehr als 120 000 ehrenamtlichen Mitarbeitern eine der weltweit größten Organisationen im Schüleraustausch. Die Abkürzung AFS stand früher für "American Field Service", eine Organisation freiwilliger Sanitätsfahrer, die während der beiden Weltkriege wichtige, oft lebensrettende Arbeit leisteten. Daraus entstand die Idee, durch Austauschprogramme für Jugendliche zukünftigen Kriegen vorzubeugen. Zur Förderung von Toleranz und Völkerverständigung sollten junge Menschen andere Länder und Kulturen kennenlernen. Heute heißt die Organisation nur noch "AFS".
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